Die Heuweberin pflegt eine fast vergessene Handarbeit

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„Das Gras ist wunderbar – mit tollen Pflanzen und Blüten“, lacht Karin Wunderlich aus dem erzgebirgischen Clausnitz. Genau diese benötigt sie für ihr Hobby, das im Erzgebirge und darüber hinaus als einzigartig gelten darf: Karin Wunderlich webt Heu – eine fast vergessene Handarbeit. Getrocknetes Gras und Getreide fädelt sie durch die Zinken eines Rechens und schenkt den Pflanzen nach ihrer Blüte ein zweites Leben!

Bis zum (Un)Ruhestand hat sie im Fremdenverkehrsamt des Gemeindeverbunds Rechenberg-Bienenmühle, Holzhau und Clausnitz gearbeitet. Kultur und alles, was damit zusammenhängt, ist ihre Leidenschaft geblieben. Deshalb betreut sie nun im Ehrenamt das Heimathaus in Clausnitz. Mit Küche und Wohnzimmer wie aus Omas Zeiten, Platz für Gesellschaften, Feste und Kunstausstellungen ist das Kleinod Anlaufstelle für Touristen und Einwohner.

„Es soll aber keine Rumpelkammer werden“, betont Karin Wunderlich, der jedermann beim Heuweben in einem kleinen Gewölbezimmer über die Schultern schauen kann. Das Kopfstück eines Rechens hat sie auf einem Tisch befestigt, so dass die Rechenzinken nach oben stehen. An diesen Zinken hängen Fäden. Das Gemisch aus Stroh, Flachs, Heu, Gras und Kräutern zieht Karin Wunderlich zunächst in die Länge und fädelt es dann wellenartig durch die Zinkenreihe hindurch. Immer wieder, bis der Rechenkopf voll ist. Soll es breiter werden, stellt sie zwei Rechenköpfe nebeneinander. Dann nimmt sie die Zinken ab und zieht das Heugeflecht an den Fäden nach unten, strafft es und knotet es fest, damit es nicht verrutscht. So entstehen Schicht für Schicht Gebilde, die am Ende als dekorativer Wandschmuck oder – wie vor allem früher üblich – als Fußabstreicher dienen.

Einst pflegten Bauersfrauen das Heuweben, aber erst im Spätherbst, wenn draußen soweit alles getan war. Die Fußläufer wärmten im kalten Winter. Heute sind die Teppiche aus Heu eher Dekoration für Wohnraum im bäuerlichen Stil. „Verzierungen sind möglich, zum Beispiel mit Hagebutten, Tannenzapfen oder anderen pflanzlichen Farbtupfern“, sagt Karin Wunderlich, die der Natur einfach gern auf der Spur ist.

Jene, die das Heuweben hautnah entdecken möchten, haben dazu im Heimathaus Clausnitz wöchentlich die Möglichkeit (freitags und samstags jeweils von 14.00 bis 16.00 Uhr). Natürlich gibt es viele Möglichkeiten, die Landschaft mitten in der idyllischen Kulisse des Muldentals (der Freiberger Mulde) rund um Clausnitz & Rechenberg -Bienenmühle zu entdecken!  www.erzgebirge-tourismus.de

Quellenangabe: „obs/Tourismusverband Erzgebirge e.V./TVE/ Bernd März“

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